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    Aktuelle Publikationen

    KI schlägt Menschen – aber nicht immer

    Eine Studie vergleicht kreative Leistungen von Menschen und KI in zwei Kreativitätstests. Mit verbesserten Bedingungen für die menschlichen Teilnehmenden (mehr Zeit, andere Aufgabenstellung) zeigt sich: KI erzielt meist höhere Durchschnittswerte in Originalität und Assoziationsfähigkeit. Bei den besten Einzelleistungen gleichen sich Mensch und Maschine aber unter bestimmten Bedingungen an. Die Studie bestätigt frühere Befunde, deutet aber auch an: Kreativität hängt stark davon ab, wie man sie misst – und unter welchen Bedingungen sie entsteht.

    Carolus, A., Koch, M. J., & Feng, S. (2025). Time-on-task and instructions help humans to keep up with AI: replication and extension of a comparison of creative performances. Scientific Reports, 15(1), 1-17.

    Größer ist nicht immer besser: eine Studie zu Datendarstellungen in sozialen Räumen

    Wie beeinflusst die Größe von physischen Datendarstellungen das soziale Miteinander in Ausstellungen und Museen? Um dieser Frage nachzugehen, haben wir in einer Laborstudie untersucht, wie viel soziale Interaktion zwischen zwei Personen stattfindet, wenn sie mit Datendarstellungen in zwei unterschiedlichen Größen interagieren. Die Ergebnisse zeigen keinen klaren Vorteil größerer Objekte – und werfen damit Fragen nach der Nachhaltigkeit solcher Designentscheidungen auf.

    Tamara Friedenberger and Jörn Hurtienne. 2025. Size Doesn’t Matter? Down-Scaling a Data Physicalization Does Not Measurably Change Viewers’ Mediated Social Interactions. In Proceedings of the Nineteenth International Conference on Tangible, Embedded, and Embodied Interaction (TEI '25). Association for Computing Machinery, New York, NY, USA, Article 6, 1–14.
    https://doi.org/10.1145/3689050.3704947

     

    KI-Kompetenz messbar machen: Entwicklung einer objektiven Skala

    Künstliche Intelligenz ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken – umso wichtiger wird es, dass Menschen zumindest grundlegendes Verständnis davon entwickeln, wie die Technologie funktioniert. Genau dafür braucht es sogenannte KI-Kompetenz („AI Literacy“). Die Publikation stellt mit der AICOS-Skala ein neues Messinstrument vor, das diese Kompetenz objektiv und zuverlässig erfasst. Es berücksichtigt aktuelle Entwicklungen wie generative KI (z. B. ChatGPT) und baut auf bewährten wissenschaftlichen Grundlagen auf. Erste Tests zeigen: Die Skala ist vielseitig einsetzbar – etwa in Bildungseinrichtungen oder der Arbeitswelt – und hilft dabei, gezielte Lernangebote zu entwickeln.

    Markus, A., Carolus, A., & Wienrich, C. (2025). Objective Measurement of AI Literacy: Development and Validation of the AI Competency Objective Scale (AICOS). arXiv preprint arXiv:2503.12921.

    How a Clinical Decision Support System Changed the Diagnosis Process: Insights from an Experimental Mixed-Method Study in a Full-Scale Anesthesiology Simulation

    In einer mixed-method Studie untersuchten wir die Auswirkungen eines Entscheidungsunterstützungssystem auf die Entscheidungsfindung in Anästhesieteams während simulierter Krisen im Operationssaal. Das Entscheidungsunterstützungssystem homogenisierte die Entscheidungsfindung, stärkte das Pflegepersonal und führte zu Reibungen zwischen analytischem und intuitivem Denken.

    Sara Wolf, Tobias Grundgeiger, Raphael Zähringer, Lora Shishkova, Franzisca Maas, Christina Dilling, and Oliver Happel. 2025. How a Clinical Decision Support System Changed the Diagnosis Process: Insights from an Experimental Mixed-Method Study in a Full-Scale Anesthesiology Simulation. In Proceedings of the 2025 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems (CHI '25). Association for Computing Machinery, New York, NY, USA, Article 257, 1–23.
    https://doi.org/10.1145/3706598.3713372

    Honorable Mention

    AR Cue Reliability for Interrupted Task Resumption Affects Users' Resumption Strategies and Performance

    Hinweise, die über augmented reality angezeigt werden, helfen Usern bei der Wiederaufnahme von unterbrochenen Aufgaben. Wir konnte zeigen, dass auch Hinweisreize mit einer reduzierten Reliabilität immer noch bei der Wiederaufnahme helfen, aber die User ihre Wiederaufnahmestrategien anpassten.

    Kilian L Bahnsen, Emma Dischinger, and Tobias Grundgeiger. 2025. AR Cue Reliability for Interrupted Task Resumption Affects Users' Resumption Strategies and Performance. In Proceedings of the 2025 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems (CHI '25). Association for Computing Machinery, New York, NY, USA, Article 1224, 1–12.
    https://doi.org/10.1145/3706598.3713685

    Honorable Mention

    Self-Similarity Beats Motor Control in Augmented Reality Body Weight Perception

    Die Studie zeigt, dass in Augmented Reality die Selbstähnlichkeit eines virtuellen Avatars das Gefühl der Verkörperung, die Selbstidentifikation und die Genauigkeit der Körpergewichtsschätzung deutlich verbessert. Im Gegensatz dazu hatte die motorische Kontrolle über den Avatar nur einen geringen Einfluss, insbesondere im Vergleich zu Virtual-Reality-Studien. Zusätzlich beeinflussten individuelle Faktoren wie Körpergewicht, Selbstwertgefühl und Körperbild die Gewichtswahrnehmung. Der Beitrag der Arbeit liegt in neuen Erkenntnissen zur Körperwahrnehmung in AR und der Bedeutung realitätsnaher Avatare für ein glaubwürdiges Nutzererlebnis.

    M. L. Fiedler, M. L., Botsch, M., Wienrich, C., & Latoschik, M. E. (2025). Self-Similarity Beats Motor Control in Augmented Reality Body Weight Perception. IEEE Transactions on Visualization and Computer Graphics, vol. 31, no. 5, pp. 2828-2838. (IEEE VR Honorable Mention). https://doi.org/10.1109/TVCG.2025.3549851

    Die Psychologie in der Krise?

    Die Psychologie steht vor drei großen Krisen: die Replikationskrise, weil Forschungsergebnisse häufig nicht reproduziert werden können, die Universalitätskrise, weil Variationen über Kulturen und Zeit hinweg oft nicht berücksichtigt werden, und die Theoriekrise, weil Theorien häufig unzureichend entwickelt sind. Für jedes dieser Probleme werden Chancen und Lösungsansätze vorgestellt.

     

    Hutmacher, F., & Franz, D. J. (2025). Approaching psychology’s current crises by exploring the vagueness of psychological concepts: Recommendations for advancing the discipline. American Psychologist 80(2), 220–231. https://doi.org/10.1037/amp0001300

    A Study on Work Performance with Apple Vision Pro

    Spatial Computing wird unsere Arbeitsweise verändern. Es ermöglicht sowohl konzentriertes Arbeiten durch ein höheres Maß an Immersion als auch kollaboratives Arbeiten durch eine verbesserte Integration gemeinsamer Interaktionsräume oder Interaktionspartner. Mit Apple Vision Pro lässt sich der Grad der Immersion nahtlos anpassen. Bislang gibt es keine systematischen Studien darüber, wie sich diese Einstellbarkeit auf die Arbeitsleistung bei der Einzel- oder Gruppenarbeit auswirkt. Die vorliegende empirische Studie schließt diese Forschungslücke, indem sie den Grad der Immersion in drei Stufen (hoch, mittel, niedrig) variiert, während verschiedene Aufgaben mit dem Apple Vision Pro gelöst werden. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die selektive Aufmerksamkeit mit zunehmendem Immersionsgrad deutlich verbessert.

    C. Wienrich and D. Obremski, "Immersion, Attention, and Collaboration in Spatial Computing: A Study on Work Performance with Apple Vision Pro," in IEEE Transactions on Visualization and Computer Graphics, vol. 31, no. 5, pp. 2995-3002, May 2025,  https://doi.org/10.1109/TVCG.2025.3549145

    Hilfreich oder herablassend? Wie Foreigner-Directed Speech durch virtuelle Agenten von Schwarzen Nicht-Muttersprachler:innen wahrgenommen wird

    In dieser Studie wurde untersucht, wie nicht-muttersprachliche Schwarze Personen in Deutschland Foreigner-Directed Speech (FDS), sprachliche Anpassungen von Muttersprachler:innen, wahrnehmen, wenn diese von intelligenten virtuellen Agenten (IVAs) eingesetzt wird. Die Ergebnisse zeigen, dass FDS das Sprachverständnis nicht verbessert und mit zunehmender Sprachkompetenz sowie insbesondere bei Agenten, die nicht der Ethnie der Teilnehmenden entsprechen, eher negativ bewertet wird. Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse zur Wirkung von FDS aus der Perspektive Betroffener und belegt die Übertragbarkeit soziolinguistischer Effekte auf virtuelle Agenten.

    Bediako Akuffo, O., C. & Lugrin, B. (2025). Investigating the Perspective of Non-Native Speakers on Foreigner-Directed Speech using Virtual Agents: The Role of Racial Ingroup Affiliation and Language Proficiency on Perception and Comprehension. Proc. of the 24th International Conference on Autonomous Agents and Multiagent Systems (AAMAS '25) (p. 59-68).
    https://doi.org/10.5555/3709347.3743517

    Owning the (Virtual) World: A Systematic Review of Psychological Ownership of Interactive Virtual Objects and Environments

    Menschen entwickeln häufig Beziehungen zu Objekten, unabhängig davon, ob sie ihnen juristisch gehören oder nicht. Diese Art des Besitzanspruches heißt "psychological ownership" und wird seit Jahrzehnten in der Unternehmensforschung untersucht. Wir möchten dieses Phänomen in der virtuellen und immersiven Welt untersuchen - (wie) entwickeln Personen eine Beziehung zu virtuellen Objekten? Welche Voraussetzungen müssen dafür gegeben sein, welche Effekte hat diese Beziehung? Dafür untersuchen wir 21 Paper der Unternehmens- und Marketingforschung sowie der Human-Computer-Interaction und präsentieren die Ergebnisse in einem neu entwickelten Modell.

    Krauss, J., & Wienrich, C. (2025, April). Owning the (Virtual) World: A Systematic Review of Psychological Ownership of Interactive Virtual Objects and Environments. In Proceedings of the 2025 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems (pp. 1-16). https://doi.org/10.1145/3706598.3713750

    Die Wahrnehmung von Handlungsfähigkeit und Erfahrung in KI-generierter Kunst

    Künstliche Intelligenzen erfahren in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit – so auch in der Kunst. In ihrer Studie untersuchen Messingschlager und Appel, inwiefern Menschen KI Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit zuschreiben, Erfahrungen machen zu können. Diese Zuschreibungen haben wiederum einen Einfluss auf die Einschätzung von Kunstwerken: Je höher die zugeschriebene Handlungsfähigkeit und Möglichkeit, Erfahrungen machen zu können, desto höher die Wertschätzung für ein Kunstwerk. 

    Messingschlager, T. V., & Appel, M. (2025). Mind ascribed to AI and the appreciation of AI-generated art. New Media & Society, 27(3), 1673–1692. https://doi.org/10.1177/14614448231200248

     

    Wie kann farbiges Licht das Robotic Storytelling unterstützen?

    In einer Studienserie wurde der Einsatz farbigen Raumlichts im Robotic Storytelling untersucht. Während die Adaption von Techniken aus Film und Gaming die Storytelling Experience nicht zusätzlich verbessert, zeigen die Ergebnisse, dass sowohl an die in der Geschichte beschriebene Umgebung angepasstes Licht, als auch Licht, dass die Erkennung der vom Roboter dargestellten Emotionen verbessert, von den Rezipierenden positiv bewertet wird.volle und Detektivgeschichten findet sich dagegen kein positiver Einfluss - es liegt also eine Genreabhängigkeit vor.

    Steinhaeusser, S. C., Maier, S., & Lugrin, B. (2025). Integrating Colored Lights into Multimodal Robotic Storytelling. Empathic Computing, 1(2), p. 202404.
    https://doi.org/10.70401/ec.2025.0008

    Der Einfluss von Lernzielen auf das Lernen mit Informative Narratives

    Informative Narratives, die versuchen mithilfe von Geschichten Lernen anzuregen, führen häufig zu Selbstüberschätzung und geringerem Lernerfolg als expositorische Texte. Mengelkamp, Golke und Appel zeigen nun, dass der Lernerfolg unter anderem von den Lernzielen abhängt, mit denen Lernende an Informative Narratives herangehen. 

    Mengelkamp, C., Golke, S., & Appel, M. (2025). Effects of reading goal instructions on the comprehension and metacomprehension of informative narratives. Applied Cognitive Psychology, 39(2), Article e70036. https://doi.org/10.1002/acp.70036